Fragezeichen

Geheimtipp „Hinterfragen“ – der Schlüssel zur Entfaltung deines Kindes

Wie du mit neuer Perspektive das volle Potenzial deines Kindes entdecken kannst

Warum das ständige Hinterfragen so wichtig für die Entwicklung deines Kindes ist

Kennst du das? Dein Kind sitzt vor den Hausaufgaben, kämpft mit Tränen, du fühlst dich hilflos und fragst dich: „Warum ist Lernen für uns so schwer?“ Nicht nur bei Kindern mit Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) oder Dyskalkulie erleben viele Familien täglich diesen zermürbenden Kampf. Doch was, wenn der Schlüssel zu positiven Veränderungen in einer ganz einfachen Haltung liegt – dem konsequenten Hinterfragen?

In diesem Artikel zeige ich dir, wie du mit der Kraft des Hinterfragens nicht nur dein Kind neu entdecken, sondern auch eure Beziehung stärken und echte Lernfortschritte ermöglichen kannst.
Denn eines ist sicher: Das Gehirn deines Kindes ist zu erstaunlichen Entwicklungen fähig – wenn wir ihm die richtigen Impulse geben.


Warum wir unsere Kinder mit neuen Augen sehen müssen

Ein Großteil der Probleme beim Lernen entsteht durch festgefahrene Glaubenssätze: „Mein Kind kann einfach kein Mathe“ oder „Rechtschreibung liegt nicht in unserer Familie“. Solche Überzeugungen wirken wie selbsterfüllende Prophezeiungen – für dich und dein Kind.

Die Wissenschaft gibt uns jedoch Hoffnung: Nach aktuellen neuropsychologischen Erkenntnissen ist unser Gehirn ein hochdynamisches Netzwerk, das sich ständig verändert. Der renommierte Neurowissenschaftler Dr. Norman Doidge spricht vom „neuroplastischen Gehirn“, das sich lebenslang neu strukturieren kann – besonders im Kindesalter.

Was bedeutet das für dein Kind?
Was heute eine Lernschwäche ist, kann nächste Woche durchschnittlich und in ein paar Jahren sogar überdurchschnittlich sein!
Mit Schuleintritt ist die Gehirnentwicklung noch lange nicht abgeschlossen – sie hört nie auf.


Die drei entscheidenden Fragen, die du dir immer wieder stellen solltest

Um dein Kind wirklich zu verstehen und optimal zu unterstützen, sind diese drei Fragen besonders wertvoll:

  • Wie lernt mein Kind am besten?

  • Welche Stärken hat mein Kind?

  • Welche Schwächen hat mein Kind?

Das Besondere: Die Antworten auf diese Fragen verändern sich ständig! Ein Kind, das gestern noch am Schreibtisch perfekt lernen konnte, braucht heute vielleicht Bewegung oder eine andere Umgebung. Die Herausforderung für dich als Elternteil ist, immer wieder neu hinzuschauen und anzupassen.


Der Balanceakt zwischen Elternrolle und Lernbegleitung

Während des Lernens stehst du mit deinem Kind in zwei verschiedenen Beziehungen:

  • In der Eltern-Kind-Beziehung
  • In der Lernbegleiter-Beziehung


Diese Doppelrolle führt häufig zu Konflikten. Du wirst immer wieder vor Entweder-Oder-Entscheidungen stehen: Ist dir in diesem Moment die familiäre Beziehung wichtiger oder der Lernerfolg deines Kindes?

Mein klarer Rat nach über 10 Jahren Erfahrung in der Lernförderung:
Entscheide dich immer für die Bindung zu deinem Kind – sie ist das Fundament für alles andere.
Klausuren können nachgeholt werden, aber kaputte Beziehungen sind schwer zu kitten.

Selbst als Lernexpertin: Du kannst noch so viele Werkzeuge und Tools in deinem Koffer haben, wenn die Beziehung zum Kind nicht passt, wird es nicht funktionieren.


Wie Hinterfragen den Lernalltag verändert

Statt Aussagen wie „Setz dich hin und konzentriere dich endlich!“ probiere offene Fragen:

  • „Was bräuchtest du jetzt, um dich gut konzentrieren zu können?“
  • „Wie würde dir die Aufgabe mehr Spaß machen?“
  • „Gibt es irgendetwas, was dir helfen könnte?“
  • „An welchem Ort könntest du dich am besten konzentrieren?“ (Nicht unbedingt am Schreibtisch!)


Diese Fragen schaffen Offenheit und signalisieren deinem Kind: Ich vertraue dir, dass du deine Bedürfnisse kennst. Gleichzeitig förderst du die Selbstreflexion – eine der wichtigsten Fähigkeiten für erfolgreiches lebenslanges Lernen.


Wenn alte Muster bleiben: Warum Nicht-Hinterfragen zum Teufelskreis wird

Wenn wir in alten Mustern verharren, entstehen oft negative Spiralen:

  • Kind kann sich nicht konzentrieren
  • Eltern reagieren mit Druck
  • Wut, Tränen, Streit folgen
  • Die Hausaufgabensituation zieht sich endlos hin
  • Kostbare Freizeit geht verloren
  • Das Kind verbindet Lernen mit negativen Gefühlen


Das Fatale: Das Gehirn deines Kindes merkt sich nicht nur „Lernen ist anstrengend“, sondern auch „Mit Mama/Papa lernen ist furchtbar“. Diese emotionale Verknüpfung kann jahrelang nachwirken.


Was Kinder wirklich aus der Schulzeit mitnehmen sollten

Laut der renommierten Bildungsforscherin Prof. Dr. Elsbeth Stern vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung sollten Kinder aus ihrer Schulzeit vor allem drei Dinge mitnehmen:

  • Eigenmotivation: Die Fähigkeit, sich selbst für Themen zu begeistern
  • Gestaltungslust: Freude am eigenen Schaffen und Entdecken
  • Positive Lernerfahrungen: Das Gefühl, Herausforderungen meistern zu können


Ein Kind, das nur durch Anreize von außen lernt, lebt nicht seine Stärken! Nur ein Kind, das aus sich selbst heraus agieren kann, entwickelt echte Stärke und Selbstvertrauen.

Praktische Tipps für den Alltag mit/ohne LRS und Dyskalkulie

Nicht nur bei Kindern mit Lese-Rechtschreib-Schwäche oder Rechenproblemen ist das Hinterfragen wichtig. Die meisten Kinder haben ein besonders feines Gespür für ihre Lernbedürfnisse:

Allgemein:

  • Hinterfrage die Lernumgebung: Manche Kinder mit LRS brauchen absolute Ruhe, andere leichte Hintergrundgeräusche.
  • Hinterfrage das Lernmaterial: Kinder, die schnell abgelenkt sind, tun sich oft schwer mit buntem, überladenen Lernmaterial.
  • Hinterfrage den Lernort: Im Kinderzimmer ist oft die Ablenkung zu groß, der Schreibtisch zu klein.
    Außerdem kann man sehr gut auch im Hüpfen, Liegen, auf der Couch oder auch im Freien lernen.
  • Hinterfrage die Tageszeit: Die Konzentration kann zu verschiedenen Tageszeiten stark schwanken.


Für Kinder mit Rechenherausforderungen:

  • Hinterfrage den Abstraktionsgrad: Vielleicht braucht dein Kind mehr haptische Erfahrungen mit Zahlen.
  • Hinterfrage die Lernschritte: Oft werden Zwischenschritte übersehen, die für dein Kind wichtig wären.
  • Hinterfrage deine eigene Mathematik-Biografie: Unsere eigenen Erfahrungen mit Mathe prägen, wie wir unser Kind unterstützen.


Was die Wissenschaft zum Thema sagt

Die aktuelle Forschung unterstützt den Ansatz des kontinuierlichen Hinterfragens. Eine Studie der Universität Stanford (2019) zeigt, dass Eltern, die regelmäßig ihre Annahmen über ihr Kind hinterfragen und anpassen, deutlich bessere Lernerfolge bei ihren Kindern beobachten.

Besonders interessant: Die Zahlen zur Verbreitung von LRS und Dyskalkulie verdeutlichen, wie wichtig ein individueller Ansatz ist. In Deutschland sind etwa 4-10% aller Schülerinnen und Schüler von LRS betroffen, was bei 10 Millionen Schulkindern bis zu einer Million Betroffene bedeutet. Bei Dyskalkulie liegen die Zahlen zwischen 3-7%, also etwa 300.000-700.000 Kinder.

Die Dunkelziffer ist jedoch deutlich höher – viele Kinder werden nie diagnostiziert und kämpfen im Stillen. Seit der Corona-Pandemie haben diese Zahlen noch zugenommen, wie erste Studien zeigen.

 

Fazit: Der Mut zum ständigen Neubeginn

Das konsequente Hinterfragen deiner Annahmen über dein Kind ist kein einmaliger Akt, sondern eine tägliche Übung. Es erfordert Mut, liebgewonnene Überzeugungen loszulassen und immer wieder neu hinzuschauen.

Doch genau dieser Mut kann der Schlüssel sein, um:

  • Die Bindung zu deinem Kind zu stärken
  • Lernblockaden sanft aufzulösen
  • Das volle Potenzial deines Kindes zu entfalten
  • Freude am Lernen (wieder) zu entdecken


Denke daran: Jedes Kind ist einzigartig, und seine Bedürfnisse ändern sich ständig. Was gestern funktioniert hat, kann heute völlig wirkungslos sein – und umgekehrt.

Ich lade dich ein, morgen mit einer neuen Frage in den Tag zu starten: „Wie kann ich mein Kind heute mit neuen Augen sehen?“
Du wirst überrascht sein, welche Türen sich öffnen können.

Ich freue mich auf euch und eure Fragen!

Brauchst du weitere Unterstützung, kontaktiere mich gerne!


Herzlichst
eure Christine


FAQ: Hinterfragen im Lernalltag

Wie oft sollte ich meine Annahmen über mein Kind hinterfragen?

Idealerweise machst du dir dies zur täglichen Gewohnheit. Besonders wichtig ist es, vor neuen Lerneinheiten oder wenn Probleme auftauchen, innezuhalten und zu reflektieren. Ein kurzes „Ist meine Annahme über mein Kind heute noch gültig?“ kann Wunder wirken.


Was, wenn mein Kind trotz aller Bemühungen Schwierigkeiten hat?

Anhaltende Schwierigkeiten trotz verschiedener Ansätze können auf tieferliegende Ursachen hindeuten. Bei Verdacht auf LRS oder Dyskalkulie ist eine professionelle Diagnostik sinnvoll. Wichtig ist: Ursachen erkennen, individuelle für dein Kind angepasste, schnelle Hilfe.


Wie kann ich zwischen normalen Lernschwierigkeiten und LRS/Dyskalkulie unterscheiden?

Normale Lernschwierigkeiten sind oft vorübergehend und situationsbedingt. Bei LRS oder Dyskalkulie zeigen sich dagegen hartnäckige, spezifische Muster trotz normaler oder überdurchschnittlicher Intelligenz. Ein wichtiges Anzeichen: Das Kind macht trotz intensiver Übung immer wieder die gleichen Fehler.
Hier sind andere Ansätze notwendig. In meinen Trainings gehe ich spezifisch auf jedes Kind ein, u.a. arbeiten wir mit Farben, Formen, Muster, Bewegung, Rhythmus …

Wie spreche ich mit Lehrkräften über meine Beobachtungen?

Gehe mit konkreten Beispielen ins Gespräch und formuliere deine Beobachtungen ohne Vorwürfe. Frage nach den Beobachtungen der Lehrkraft und suche zusammen nach Lösungen. Eine Formulierung wie „Ich habe bemerkt, dass…“ öffnet mehr Türen als „Die Schule müsste…“


Kann zu viel Hinterfragen auch verunsichern?

Ja, wenn es zum ständigen Zweifeln wird. Wichtig ist die Balance: Hinterfragen bedeutet nicht, ständig alles zu ändern, sondern aufmerksam zu bleiben und flexibel zu reagieren, wenn es nötig ist.
Vertraue auch deiner Intuition als Elternteil.

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