Wie du als Elternteil emotionale Wunden heilen und neues Vertrauen aufbauen kannst
Kennst du das? Dein Kind kommt mit hängenden Schultern nach Hause, schmeißt die Schultasche in die Ecke und sagt Sätze wie: „Ich bin einfach zu dumm dafür“ oder „Bei mir klappt das nie„? Worte, die dir als Elternteil direkt ins Herz schneiden. Du siehst die Tränen, die Frustration und die langsam schwindende Lernfreude – und fühlst dich machtlos.
Als Lerncoach – und als Mama, die das selbst erlebt hat – weiß ich, wie sehr solche Worte ins Herz treffen. Du siehst die Tränen, die Frustration und die schwindende Lernfreude – und fühlst dich vielleicht manchmal machtlos.
Ich kann dir aus Erfahrung sagen: Ihr seid damit nicht allein. Viele Familien stehen vor genau diesen Herausforderungen – und es gibt Wege, aus diesem Kreislauf auszubrechen.
In diesem Artikel erfährst du, warum das Selbstwertgefühl deines Kindes so wichtig ist, welche Auswirkungen ein negatives Selbstbild haben kann und – am wichtigsten – was du konkret tun kannst, um deinem Kind zu helfen, sein Selbstvertrauen zurückzugewinnen.
Warum Kinder glauben, sie seien „dumm“ – die Ursachen verstehen
Die tägliche Dosis Frustration
Stell dir vor, du würdest jeden Tag zur Arbeit gehen und ständig gesagt bekommen, dass deine Leistung nicht ausreicht – trotz aller Anstrengung. Wie lange würdest du durchhalten? Unsere Kinder erleben genau das:
- Sie strengen sich an, bekommen aber trotzdem schlechte Noten
- Sie investieren mehr Zeit als ihre Mitschüler, sehen aber weniger Erfolg
- Sie erleben täglich, wie andere Kinder mühelos schaffen, wofür sie kämpfen müssen
Weißt du, manchmal denke ich: Wir Erwachsenen hätten in so einer Situation wahrscheinlich schon längst gekündigt. Aber unsere Kinder? Die stehen Tag für Tag wieder auf, gehen zur Schule und holen sich immer wieder ab: „Ich kann es nicht. Ich bin nicht gut genug. Ich bin dumm.“
Gerade als Lerncoach – und als Mama – berührt mich das jedes Mal aufs Neue. Ich sehe, wie viel Kraft es kostet, wenn der Glaube an sich selbst immer wieder ins Wanken gerät.
Der Teufelskreis aus Versagen und Vermeidung
Was als schulische Herausforderung beginnt, entwickelt sich schnell zu einem emotionalen Problem:
- Misserfolge führen zu negativen Selbstgesprächen
- Diese erzeugen Stress und Angst vor weiteren Misserfolgen
- Stress blockiert die Lernfähigkeit des Gehirns
- Die Blockade führt zu weiteren Misserfolgen
- Der Kreislauf verstärkt sich selbst
Besonders problematisch: Mit der Zeit beginnen Kinder, Lernaufgaben komplett zu vermeiden oder entwickeln Ausweichstrategien – von Clownerie im Unterricht bis hin zu körperlichen Symptomen wie Bauchschmerzen.
Die weitreichenden Folgen eines beschädigten Selbstwertgefühls
Ein niedriges Selbstwertgefühl wirkt sich nicht nur auf die Schulleistungen aus. Die Auswirkungen können weitreichender sein, als viele Eltern zunächst vermuten:
Emotionale Folgen
- Chronische Frustration und Traurigkeit
- Erhöhtes Risiko für Angststörungen und Depressionen
- Gefühl von Hilflosigkeit und fehlender Selbstwirksamkeit
Soziale Folgen
- Rückzug aus sozialen Situationen
- Schwierigkeiten, Freundschaften zu schließen oder zu halten
- Anfälligkeit für Mobbing
Langzeitfolgen
- Vermeidungsverhalten gegenüber Herausforderungen
- Eingeschränkte Berufswahl im späteren Leben
- Übertragung negativer Glaubenssätze ins Erwachsenenalter
Ganz ehrlich: So etwas hinterlässt Spuren – bei jedem Menschen, egal, wie stark oder cool er sich nach außen gibt. Diese Erfahrungen nehmen wir mit, sie begleiten uns oft ein Leben lang und genau deshalb ist es so wichtig, frühzeitig zu helfen und einen neuen Weg einzuschlagen.
7 wirksame Strategien, um das Selbstwertgefühl deines Kindes zu stärken
Die gute Nachricht: Du als Elternteil kannst entscheidend dazu beitragen, dass dein Kind ein gesundes Selbstwertgefühl entwickelt – auch wenn es schulische Herausforderungen gibt. Hier sind konkrete Strategien:
1. Erfolge sichtbar machen und feiern
Kinder mit negativem Selbstbild übersehen ihre eigenen Erfolge oft komplett. Hilf deinem Kind, seine Fortschritte wahrzunehmen:
- Führt gemeinsam ein „Erfolgs-Tagebuch“, in dem täglich mindestens drei positive Erlebnisse festgehalten werden
- Feiert auch kleine Fortschritte bewusst (z.B. „Du hast heute 5 Minuten länger durchgehalten als gestern!“)
- Schaffe eine „Erfolgs-Wand“ zu Hause, an der Urkunden, gelungene Arbeiten oder Fotos von stolzen Momenten hängen
2. Stärken entdecken und fördern
Jedes Kind hat Bereiche, in denen es besonders gut ist – manchmal abseits des schulischen Kontexts:
- Beobachte, wobei dein Kind die Zeit vergisst oder strahlt
- Ermögliche regelmäßige positive Erfahrungen in diesen Stärkenbereichen
- Stelle Verbindungen her zwischen den Stärken und den Herausforderungen („Deine Ausdauer beim Fußball kannst du auch beim Lernen nutzen“)
3. Wachstumsorientiertes Denken fördern („Growth Mindset“)
Kinder mit einem „Fixed Mindset“ glauben, ihre Fähigkeiten seien festgelegt. Hilf deinem Kind, ein „Growth Mindset“ zu entwickeln:
- Ersetze „Ich kann das nicht“ durch „Ich kann das noch nicht“
- Feiere Anstrengung und Durchhaltevermögen statt nur Ergebnisse
- Teile eigene Geschichten von Herausforderungen und wie du sie gemeistert hast
4. Die Macht der Sprache nutzen
Achte auf die Sprache, die zu Hause verwendet wird – besonders in Bezug auf Lernen und Schule:
- Vermeide Verallgemeinerungen wie „immer“ oder „nie“ („Du vergisst immer deine Hausaufgaben“)
- Trenne klar zwischen Person und Verhalten („Die Aufgabe war schwierig“ statt „Du bist zu langsam“)
- Führt positive Affirmationen ein, die dein Kind täglich wiederholt („Ich gebe mein Bestes und das ist genug“)
5. Emotionale Sicherheit schaffen
Kinder brauchen das Gefühl, bedingungslos geliebt zu werden – unabhängig von Schulleistungen:
- Schaffe bewusst schulfreie Qualitätszeit
- Höre aktiv zu, wenn dein Kind von seinen Gefühlen erzählt
- Normalisiere Fehler („Fehler zeigen, dass wir etwas Neues versuchen“).
Achte auf deine eigenen Aussagen/Gedanken, wenn es um deine eigenen Fehler als Mama bzw. Papa geht.
6. Lernprozesse neu gestalten
Oft brauchen Kinder mit Lernherausforderungen andere Zugänge zum Lernstoff:
- Entdeckt zusammen den individuellen Lerntyp deines Kindes
- Integriert Bewegung ins Lernen (z.B. Vokabeln beim Trampolin-Springen)
- Nutzt Spiele und kreative Methoden statt traditioneller Übungsblätter
7. Professionelle Unterstützung in Anspruch nehmen
Manchmal reichen familiäre Bemühungen allein nicht aus:
- Suche nach ganzheitlichen Ansätzen, die nicht nur am Symptom (z.B. Nachhilfe für Rechtschreibung), sondern auch an der emotionalen Komponente arbeiten
- Achte auf Angebote, die Selbstwirksamkeitserfahrungen ermöglichen
- Wähle Fachleute, die dein Kind als Ganzes sehen und nicht nur seine Schwächen fokussieren
Was Eltern vermeiden sollten – die häufigsten Fallen
Bei aller guten Absicht können wir als Eltern manchmal unbeabsichtigt zur Verschlechterung des Selbstwertgefühls beitragen:
Vergleiche mit anderen Kindern
„Schau mal, wie gut deine Schwester in Mathe ist“ oder „Die anderen Kinder schaffen das doch auch“ – solche Vergleiche verstärken nur das Gefühl des Versagens.
Übermäßiger Fokus auf Noten
Wenn Noten zum Hauptthema werden, lernt dein Kind: „Mein Wert hängt von meinen Leistungen ab.“ Stattdessen solltest du den Prozess und die Anstrengung würdigen.
Überbehütung und zu viel Hilfe
Wenn wir unseren Kindern alle Hindernisse aus dem Weg räumen, nehmen wir ihnen die Chance, Selbstwirksamkeit zu erfahren. Manchmal ist es besser, sie unterstützt kämpfen zu lassen.
Bagatellisieren der Gefühle
„So schlimm ist das doch nicht“ oder „Stell dich nicht so an“ – solche Aussagen signalisieren dem Kind, dass seine Gefühle nicht wichtig oder berechtigt sind.
Überstülpen eigener Gedanken
Manchmal übertragen Eltern ihre eigenen Erfahrungen, Ängste oder auch Lerngewohnheiten auf das Kind und sehen somit nicht mehr das Kind, sondern „nur“ die eigene Geschichte bzw. Ängste. Daher neu denken: „Ist das mein Gefühl oder das meines Kindes? Was braucht mein Kind wirklich? Wie lernt mein Kind am besten, nicht ich?“
Praktische Tipps für den Alltag
Das Glücks- oder Mutmachglas
Ein großes Einmachglas wird zum Symbol für Erfolge: Jeder noch so kleine Erfolg oder glückliche Moment wird auf einen Zettel geschrieben und ins Glas gelegt. So wächst die Sammlung stetig an. In schwierigen Momenten oder am Jahresende könnt ihr die Zettel gemeinsam lesen – eine kraftvolle Erinnerung an all die positiven Momente. 🌟
Erfolge bewusst kreieren
Gestalte als Elternteil bewusst Situationen, in denen dein Kind erfolgreich sein kann. Setze die Messlatte gerade so hoch, dass dein Kind sie mit etwas Anstrengung überwinden kann – und feiert dann diesen Erfolg richtig. Diese Erfolgserlebnisse sind Bausteine für ein gesundes Selbstvertrauen.
Glaube an dein Kind
Manchmal bist du als Mama oder Papa der einzige Mensch, der noch an dein Kind glaubt – gerade dann, wenn dein Kind und die Schule längst aufgegeben haben. Aber wer, wenn nicht du, soll diesen Glauben bewahren?
Dein Vertrauen in die Fähigkeiten deines Kindes – auch wenn es schwerfällt – ist unbezahlbar und oft der wichtigste Anker auf dem Weg zurück zu neuem Selbstvertrauen.
Stärken erkennen – statt Schwächen suchen
Was auf den ersten Blick als Problem erscheint, ist oft nur eine andere Seite von verborgenen Talenten.
- Chaotisch? Vielleicht einfach kreativ und offen für neue Wege.
- Aggressiv? Oft ein Zeichen für klare Grenzen und Durchsetzungsvermögen.
- Zurückhaltend? Meist überlegt und aufmerksam – denkt erst, bevor gehandelt wird.
Unsere Kernidee:
Nicht das Verhalten ist das Problem – sondern oft nur unsere Bewertung. Wer neu denkt, entdeckt in jedem Kind Potenziale statt Defizite.
Abendliche Reflexion etablieren
Führt eine abendliche Routine ein mit drei einfachen Fragen:
- Was ist heute besonders gut gelaufen?
- Was war vielleicht nicht so toll?
- Was könntest du morgen anders/besser machen?
Diese Fragen lenken den Fokus auf Erfolge und Lösungen statt auf Probleme. Bleib hartnäckig, auch wenn dein Kind anfangs wenig sagt – mit der Zeit wird diese Reflexion zur wertvollen Gewohnheit.
Wann braucht es professionelle Hilfe?
Es gibt Anzeichen, die darauf hindeuten, dass familiäre Unterstützung allein nicht ausreicht:
- Anhaltende Traurigkeit oder sozialer Rückzug
- Schulverweigerung oder häufige körperliche Beschwerden vor der Schule
- Selbstabwertende Äußerungen nehmen zu oder werden extremer
- Schlaf- oder Essstörungen treten auf
- Das Kind zeigt aggressives Verhalten gegen sich oder andere
In diesen Fällen ist es ratsam, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen – sei es durch Lerncoaching, Schulpsychologie oder therapeutische Unterstützung.
Fazit: Der Weg zu einem gesunden Selbstwertgefühl ist ein Prozess
Die Stärkung des Selbstwertgefühls geschieht nicht über Nacht. Es ist ein kontinuierlicher Prozess, der Geduld, Konsequenz und viel Liebe erfordert. Doch die Investition lohnt sich – denn ein gesundes Selbstwertgefühl ist die Grundlage für:
- Resilienz gegenüber Herausforderungen
- Die Fähigkeit, aus Fehlern zu lernen
- Gesunde Beziehungen zu anderen
- Lebenslanges Wachstum und Entwicklung
Als Eltern haben wir die wertvolle Chance, unseren Kindern dabei zu helfen, eine positive innere Stimme zu entwickeln, die sie ein Leben lang begleiten wird.
Lernen darf wirklich leicht sein – wenn die Strategie passt, die Methoden individuell gewählt sind und das Selbstvertrauen wachsen darf. Jedes Kind ist einzigartig und verdient seinen eigenen Weg.
Ich begleite Eltern, die bereit sind, neue Wege zu gehen und in die Zukunft ihres Kindes zu investieren. Zusammen schaffen wir echte Veränderungen, die nachhaltig wirken.
FAQs: Fragen zum Selbstwertgefühl bei Kindern
Wie erkenne ich, ob mein Kind ein niedriges Selbstwertgefühl hat?
Achte auf Aussagen wie „Ich kann das nicht“, häufiges Aufgeben bei Herausforderungen, Vermeidungsverhalten bei schulischen Aufgaben, Vergleiche mit anderen Kindern und körperliche Symptome wie Bauchschmerzen vor Schulaufgaben.
Kann ein niedriges Selbstwertgefühl auch bei guten Schülern vorkommen?
Ja, durchaus. Auch leistungsstarke Kinder können unter Perfektionismus leiden und glauben, nur durch perfekte Leistungen wertvoll zu sein. Hier ist das Selbstwertgefühl an Bedingungen geknüpft und daher ebenfalls gefährdet.
Wie lange dauert es, bis Verbesserungen im Selbstwertgefühl sichtbar werden?
Das ist individuell sehr unterschiedlich. Erste positive Veränderungen können bereits nach wenigen Wochen konsequenter Anwendung der genannten Strategien sichtbar werden. Eine tiefgreifende, stabile Veränderung braucht jedoch oft Monate oder sogar Jahre.
Welche Rolle spielen Lehrkräfte beim Selbstwertgefühl meines Kindes?
Lehrkräfte haben einen erheblichen Einfluss auf das Selbstwertgefühl von Kindern. Ein offenes Gespräch mit der Lehrkraft über die Situation deines Kindes kann helfen, gemeinsame Strategien zu entwickeln. Manche Schulen bieten auch spezielle Förderprogramme zur Stärkung des Selbstwertgefühls an.
Wie kann ich mein Kind unterstützen, ohne ihm alle Herausforderungen abzunehmen?
Die goldene Mitte liegt darin, deinem Kind genug Unterstützung zu bieten, damit es nicht überfordert ist, aber genug Raum für eigene Erfolge zu lassen. Eine gute Faustregel ist: So viel Hilfe wie nötig, so wenig wie möglich – und die Hilfe schrittweise reduzieren, wenn das Kind sicherer wird.
Ich weiß aus Erfahrung, wie viel leichter es wird, wenn erst einmal die ersten Schritte gemacht sind.
Du möchtest mehr erfahren oder dir in deiner Situation Unterstützung holen?
Dann melde dich gern bei mir oder buche direkt ein unverbindliches Erstgespräch.
Ich freue mich auf euch!
Herzlichst,
Eure Christine
Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine professionelle psychologische oder therapeutische Beratung. Bei schwerwiegenden emotionalen Problemen sollte immer fachkundige Hilfe in Anspruch genommen werden.

