Die häufigsten Ursachen hinter wiederkehrenden Schreibfehlern
Viele Eltern sagen zu mir:
„Wir üben regelmäßig. Mein Kind kennt die Regeln. Und trotzdem sind im nächsten Diktat wieder dieselben Fehler.“
Das ist frustrierend – für dich als Elternteil. Und noch viel mehr für dein Kind.
Wenn Rechtschreibprobleme trotz Üben bestehen bleiben, liegt die Ursache häufig nicht im fehlenden Fleiß. Gerade bei LRS (Lese-Rechtschreib-Schwäche) sind Schreibfehler oft nur das sichtbare Symptom.
Die eigentliche Ursache liegt häufig nicht dort, wo man zuerst hinschaut.
Ich bin Christine Grimm, ursachenorientierte Lernbegleiterin für LRS & Rechtschreibprobleme und Benaudira®-Hörtrainerin. In meiner Arbeit suche ich nicht nach dem nächsten Arbeitsblatt.
Ich frage: Warum passiert dieser Fehler immer wieder?
Und genau hier beginnt der Unterschied.
Warum hilft Üben bei LRS oft nicht nachhaltig?
Viele Kinder mit LRS oder anhaltenden Rechtschreibproblemen:
- lernen Lernwörter
- kennen Rechtschreibregeln
- bekommen Nachhilfe
- üben regelmäßig
Und trotzdem bleibt die Unsicherheit.
Warum?
Weil Schreiben kein reines Wissensfach ist. Beim Schreiben laufen gleichzeitig mehrere Prozesse ab:
- Lautverarbeitung
- Abruf von Rechtschreibregeln
- Speicherung von Wortbildern
- Aufmerksamkeit
- Arbeitsgedächtnis
- emotionale Stabilität
Studien zeigen, dass insbesondere Arbeitsgedächtnis und Aufmerksamkeit eine zentrale Rolle bei der Rechtschreibleistung spielen (z. B. Bigozzi et al., 2021). Wenn einer dieser Bereiche unsicher ist, reicht „mehr üben“ bei LRS häufig nicht aus. Deshalb geht es nicht um mehr Üben. Sondern um den richtigen Ansatz.
Welche Ursachen stecken hinter LRS und wiederkehrenden Rechtschreibfehlern?
Nicht jedes Kind mit LRS hat dieselbe Ursache. Oft wirken mehrere Einflussbereiche zusammen. Aus meiner Erfahrung zeigen sich besonders häufig folgende fünf Bereiche.
1. Unsicherheiten in der Lautverarbeitung (Hörverarbeitung)
Manche Kinder mit LRS schreiben stark lautgetreu – nehmen jedoch feine Sprachdetails nicht ausreichend differenziert wahr.
Typische Beispiele:
- Hant statt Hand
- Bruda statt Bruder
- Fata statt Vater
- Verwechslungen von b/p oder d/t
Hier geht es nicht um „schlechtes Hören“ im Sinne eines Hörschadens.
Es geht um die Verarbeitung von Sprachlauten im Gehirn.
Gerade bei Nebengeräuschen oder unter Stress können feine Lautunterschiede weniger klar ankommen. Wenn ein „d“ und ein „t“ innerlich fast gleich klingen, wird auch die Verschriftlichung unsicher.
Erste Unterstützungsideen:
- Wörter verlängern (Hand → Hände)
- Referenzwort-Methode („T wie Tiger oder D wie Delfin?“)
Wenn solche Fehler sehr häufig auftreten, kann eine gezielte Hörverarbeitungsanalyse sinnvoll sein.
2. Fehlende Automatisierung von Rechtschreibregeln
Viele Eltern berichten:
„Mein Kind kennt die Regel – aber im Diktat klappt es trotzdem nicht.“
Häufig liegt das Problem nicht im fehlenden Verständnis, sondern in mangelnder Automatisierung. Beim Schreiben greift das Gehirn unter Belastung nicht auf theoretisches Wissen zurück – sondern auf das, was automatisch verfügbar ist.
Ist eine Regel noch nicht ausreichend gefestigt, steht sie im Schreibprozess nicht zuverlässig zur Verfügung. Forschung zur orthografischen Entwicklung (z. B. Share, 1995) zeigt: Sichere Rechtschreibung entsteht durch wiederholtes korrektes Verarbeiten – nicht durch einmaliges Erklären.
Erste Unterstützungsideen:
- Nur eine Regel gleichzeitig trainieren
- Kurze, regelmäßige Übungseinheiten
- Nach dem Schreiben gezielt nur eine Fehlerart prüfen
3. Überlastung beim Schreiben (Arbeitsgedächtnis)
Schreiben ist eine Hochleistungsaufgabe.
Beim Diktat laufen gleichzeitig ab:
- Zuhören
- Verstehen
- Planen
- Schreiben
- Kontrollieren
Das Arbeitsgedächtnis koordiniert diese Prozesse. Ist es stark beansprucht, kann die Fehleranfälligkeit steigen – selbst wenn das Wissen vorhanden ist.
Hinweise können sein:
Fehler nehmen im Textverlauf zu
- Wörter fehlen
- Satzenden sind besonders fehleranfällig
- schnelle Erschöpfung
Hier geht es nicht um „Unkonzentriertheit“, sondern um mögliche Überlastung. Studien (z. B. Baddeley, 2003) zeigen, dass parallele Anforderungen die Fehlerquote erhöhen können.
4. Fehlendes inneres Wortbild (orthografische Repräsentationen)
Sichere Rechtschreiber „sehen“ das Wort innerlich richtig. In der Forschung spricht man von orthografischen Repräsentationen – stabil gespeicherten Wortbildern.
Fehlt dieses innere Referenzmodell, entstehen typische Situationen:
- Ein Wort wird unterschiedlich geschrieben
- Varianten werden ausprobiert
- Beim Gegenlesen fehlt das Stopp-Gefühl
Hier geht es nicht primär um Regelwissen – sondern um den Aufbau stabiler innerer Wortbilder.
Unterstützende Ansätze:
- Wortbilder farblich gestalten
- schwierige Stellen visuell markieren
- Wortgeschichten entwickeln
Beispiel: Fahrrad
Das „h“ ist der Helm.
Die zwei „r“ sind die Räder.
Kinder lernen stark durch Beobachtung.
Statt zu belehren, kannst du beiläufig sagen:
„Ich lese meine E-Mail nochmal durch.“
„Ich finde oft Tippfehler, deshalb prüfe ich nochmal.“
So wird Selbstkontrolle vorgelebt – nicht eingefordert.
5. Emotionale Belastung und Selbstwirksamkeit bei LRS
Wenn Schreiben dauerhaft mit Frust verbunden ist, entsteht häufig eine innere Überzeugung:
„Ich kann das nicht.“
In der Lernpsychologie spricht man von Selbstwirksamkeit (Bandura).
Kinder brauchen die Erfahrung, dass ihr Handeln Wirkung zeigt.
Unterstützende Impulse:
- Aufgaben klein und bewältigbar machen
- Fortschritte sichtbar markieren
- Stärken bewusst benennen
- Fehler nicht in den Mittelpunkt stellen
Erfolgserlebnisse verändern die innere Haltung.
Warum ich bei LRS bewusst in Mini-Gruppen oder 1:1 arbeite
In meinen Intensivkursen arbeite ich:
• in Mini-Gruppen mit maximal drei Kindern
• oder im Einzelsetting
Warum?
Weil jedes Kind mit LRS eine individuelle Kombination aus Einflussfaktoren mitbringt. Manche brauchen Hörverarbeitungsimpulse. Andere Wortbildarbeit. Wieder andere emotionale Stabilisierung oder Struktur.
Es gibt keine Lösung von der Stange.
Standardisierte Programme greifen häufig zu kurz, wenn individuelle Einflussbereiche nicht berücksichtigt werden. Durch meine Ausbildungen im Lerncoaching, Emotionscoaching, Hörtraining und Wahrnehmungsbereich kann ich differenziert entscheiden:
Was braucht dieses Kind wirklich?
Fazit: Bei LRS Ursachen verstehen statt nur Symptome trainieren
Wenn Rechtschreibprobleme bei LRS trotz Üben bestehen bleiben, liegt es selten an mangelndem Fleiß.
Häufig fehlen:
- Automatisierung
- Lautdifferenzierung
- stabile Wortbilder
- Entlastung im Schreibprozess
- emotionale Sicherheit
Rechtschreibfehler sind oft nur das sichtbare Symptom. Deshalb schaue ich nicht nur auf einzelne Fehler – sondern auf das gesamte Lernsystem eines Kindes.
Analyse des Lernalltags in der Familie
Veränderung beginnt nicht mit mehr Druck.
Sondern mit einem differenzierten Blick.
Ich freue mich auf euch!
Herzliche Grüße
Christine Grimm
Lernexpertin bei LernenEinfachErleben
Wenn Rechtschreibprobleme trotz Üben bestehen bleiben, ist das kein Zeichen von fehlender Begabung.
Es ist häufig ein Hinweis darauf, dass der bisherige Ansatz nicht ausreichend passt.
Der Familien-Lerncheck ist ein Fragebogen zur Reflexion, mit dem Eltern ihre aktuelle Lernsituation in der Familie einschätzen.
Er dient dazu, den Ist-Zustand sichtbar zu machen und das Bewusstsein für verschiedene Einflussfaktoren auf das Lernen zu schärfen.
Am Ende erhalten Eltern eine Auswertung bzw. Einordnung ihrer Situation.
FAQs: Häufige Fragen zu LRS und Rechtschreibproblemen
Warum macht mein Kind trotz Üben immer wieder dieselben Fehler?
Oft liegt die Ursache nicht im fehlenden Wissen, sondern in fehlender Automatisierung oder instabiler Verarbeitung.
Kann sich eine LRS auswachsen?
Einzelne Unsicherheiten können sich entwickeln. Eine ausgeprägte LRS benötigt meist gezielte Unterstützung.
Ist mein Kind einfach unkonzentriert?
Unkonzentriertheit ist häufig ein Symptom – nicht die eigentliche Ursache.
Wann ist eine LRS-Diagnose sinnvoll?
Wenn trotz regelmäßigen Übens über längere Zeit kaum Fortschritte sichtbar werden, kann eine fachliche Einschätzung sinnvoll sein.

