Kind hasst Schule? Was Eltern von Erstklässlern tun können

Inhaltsverzeichnis

„Ich hasse Schule!“ – Wenn dein Erstklässler nach wenigen Wochen nicht mehr will

Das Wichtigste in Kürze​

Diese Frage wurde mir vor Kurzem gestellt:

„Mein Kind ist gerade einmal zwei Wochen in der Schule und sagt plötzlich: Ich hasse Schule. Ich hasse Lernen. Ich habe Angst, dass sich das jetzt festsetzt. Was soll ich tun?“

Und ich weiß, dass sich viele Mütter und Väter genau das fragen. Oft still, abends, wenn das Kind schon schläft.

Monatelang hat sich dein Kind auf die Schule gefreut. Der Schulranzen stand bereit, die Schultüte war ausgesucht. Vielleicht wurden schon erste Buchstaben gemalt und stolz gezeigt.

Und dann, nach wenigen Tagen:

„Ich will da nicht mehr hin.“

Im Kopf startet sofort ein Film:

Ist mein Kind doch noch nicht bereit? Hat es Lernprobleme? Ist etwas passiert? Wird das jetzt jahrelang so weitergehen?

Erst einmal: kein Kopfkino

Ein Satz nach zwei oder drei Wochen sagt noch nichts darüber, wie dein Kind seine ganze Schulzeit erleben wird. Schule ist eine völlig neue Welt. Es gibt neue Menschen, neue Regeln und einen ganz anderen Tagesrhythmus.

Manche Kinder finden sehr schnell hinein. Andere brauchen deutlich länger, bis sich dieser Alltag vertraut anfühlt. Und nicht nur dein Kind muss ankommen. Auch für dich verändert sich etwas. Plötzlich gibt es Stundenpläne, Hausaufgaben, Elternbriefe und die ersten Unsicherheiten: 

Ist das noch normal? Kann mein Kind mithalten? Sollte ich etwas tun? 

Dass du dir diese Fragen stellst, ist erst einmal nichts Ungewöhnliches. Es zeigt, wie aufmerksam du bist.

„Ich hasse Schule“ ist oft nur die Überschrift

Kinder sprechen sehr unmittelbar aus ihrem momentanen Gefühl heraus. Unter der Überschrift „Ich hasse Schule“ können ganz unterschiedliche Geschichten stehen:

  • „Heute war etwas richtig blöd.“
  • „Ich weiß nicht, was ich machen soll.“
  • „Mir ist das alles zu laut.“
  • „Ich finde niemanden zum Spielen.“
  • „Die anderen können etwas, das ich noch nicht kann.“
  • „Die Lehrerin hat mit mir geschimpft.“
  • „Ich habe Angst, etwas falsch zu machen.“
  • „Ich hatte mir Schule ganz anders vorgestellt.“

Unsere Aufgabe als Erwachsene ist deshalb nicht, diese Überschrift möglichst schnell zu korrigieren.

Unsere Aufgabe ist: herauszufinden, was darunter steht.

Wie schön, dass dein Kind dir das sagt 

Das klingt im ersten Moment vielleicht merkwürdig.

Natürlich ist es nicht schön, dass dein Kind Schule gerade so erlebt.

Aber dein Kind könnte auch schweigen. Dann bekäme es vielleicht morgens Bauchweh. Es würde beim Anziehen immer langsamer, beim Thema Hausaufgaben plötzlich explodieren oder sich immer mehr zurückziehen.

Stattdessen sagt es: „Mama, ich hasse Schule.“

Darin steckt etwas Wertvolles:

Dein Kind vertraut dir genug, um dir zu zeigen, wie es ihm gerade wirklich geht.

Genau da können wir ansetzen. Nicht mit der Frage „Wie bekomme ich diesen Satz schnell wieder weg?“, sondern mit der Frage:

„Was möchte mir mein Kind eigentlich damit sagen?“

Neugierig werden, statt zu verhören

„Was war denn? Wer war das? Hat dich jemand geärgert? War die Lehrerin böse? War Mathe zu schwer?“

Frage, Frage, Frage. Gerade jüngere Kinder machen dann einfach zu.

Die besten Gespräche entstehen oft dann, wenn man sich gar nicht direkt gegenübersitzt: beim Autofahren, beim Spazierengehen, beim Lego-Bauen, beim Malen, beim Kuscheln.

Und manchmal kommt die Antwort nicht heute Abend, sondern drei Tage später beim Schuheanziehen.

Statt zehn Fragen hintereinander zu stellen, biete lieber eine einzelne Frage an und warte ab.

Anstrengung + Fehler + Vergleich + Druck.

Dabei lernen Kinder den ganzen Tag. Sie lernen Fahrradfahren, merken sich Liedtexte und wissen plötzlich alles über Dinosaurier, Pferde, Fußballspieler oder Planeten.

Deshalb lohnt sich die Frage: Was verbindet mein Kind gerade eigentlich mit dem Wort „Lernen“?

Das Gefühl anerkennen, statt es wegzureden

Unser erster Impuls ist oft, zu beruhigen:

  • „So schlimm ist es doch gar nicht.“
  • „Das wird schon.“
  • „Du musst dich einfach erst daran gewöhnen.“
  • „Deine Lehrerin ist doch nett.“
  • „Du wolltest doch unbedingt in die Schule.“

Das ist gut gemeint. Beim Kind kann aber etwas ganz anderes ankommen:

„Mama versteht mich nicht.“

Denn in diesem Moment fühlt sich Schule für dein Kind tatsächlich schlimm an. Sein Gefühl ist echt. Das bedeutet nicht, dass du sagen musst: „Ja, Schule ist furchtbar.“ 

Du könntest stattdessen sagen:

  • „Das klingt, als wäre Schule gerade richtig blöd für dich.“
  • „Da scheint gerade etwas zu sein, das dir wirklich schwerfällt.“
  • „Magst du mir erzählen, was dir daran gerade nicht gefällt?“

Damit sagst du nicht: „Schule ist schrecklich.“ Du sagst: „Ich sehe, dass es dir gerade nicht gut damit geht.“ Das ist ein großer Unterschied.

Forschung zum sogenannten Emotion Coaching, unter anderem von John Gottman,  zeigt Zusammenhänge mit einer besseren Gefühlsregulation und günstigeren sozialen und emotionalen Entwicklungen bei Kindern.

Für mich bedeutet das ganz praktisch: Erst Verbindung, dann Lösung.

Was hinter dem Satz stecken kann

Hinter Schulfrust steckt selten nur eine einzige Ursache. Deshalb lohnt es sich, in verschiedene Richtungen zu schauen.

Nicht mit dem Ziel „Ich muss jetzt unbedingt das Problem finden“, sondern neugierig: „Was könnte meinem Kind gerade das Leben schwer machen?“

Es ist einfach alles zu viel

Überlege einmal, was ein Erstklässler plötzlich alles leisten muss:

Er muss zuhören, Arbeitsaufträge verstehen, sich melden, abwarten und still sitzen. Er muss Geräusche ausblenden, mit vielen anderen Kindern klarkommen, Buchstaben auf Linien schreiben, Regeln beachten und seine Materialien organisieren. Und gleichzeitig soll er noch wissen, wo die Trinkflasche steht und ob heute Sport ist.

Für uns Erwachsene wirkt vieles davon selbstverständlich. Für ein sechsjähriges Kind kann es enorm viel Energie kosten.

Dann bedeutet „Ich hasse Schule“ vielleicht eigentlich: „Das alles ist mir gerade zu viel.“

Es ist zu laut, zu voll, zu viel Bewegung

Stühle rutschen, Kinder flüstern, jemand spitzt einen Stift, auf dem Gang läuft jemand vorbei. In der Pause kommen noch einmal unzählige Eindrücke hinzu.

Manche Kinder können vieles davon leicht ausblenden. Andere brauchen dafür enorm viel Kraft. Sie kommen nach Hause und sind völlig erschöpft, obwohl sie fachlich vielleicht sogar gut mitkommen.

Ein Kind, das unter Dauerstress steht, kann schwerer aufmerksam bleiben, Neues aufnehmen und Gelerntes abrufen. Dann ist nicht zwangsläufig das Lernen das Problem. Vielleicht war der gesamte Vormittag einfach unglaublich anstrengend.

Es ist langweilig

Auch das gibt es. Nicht jedes Kind, das Schule ablehnt, ist überfordert.

Vielleicht konnte dein Kind schon vor der Einschulung lesen. Vielleicht rechnet es weit über den Zahlenraum hinaus, der gerade behandelt wird. Auch Unterforderung erzeugt Frust.

Deshalb lohnt sich immer der individuelle Blick: Was ist für dieses Kind zu schwer – oder vielleicht auch zu leicht?

Es erlebt erste Misserfolge

Viele Kinder starten mit einem stolzen Gefühl: „Jetzt bin ich ein Schulkind!“

Und plötzlich merken sie: Andere schreiben schneller. Andere kennen mehr Buchstaben. Andere melden sich ständig und bekommen jede Aufgabe sofort hin.

Und ich? Ich radiere. Ich brauche länger. Mein Buchstabe sieht anders aus.

Vielleicht sagt niemand ausdrücklich: „Du kannst das nicht.“ Und trotzdem kann langsam ein Gedanke entstehen:

„Mit mir stimmt etwas nicht.“

Genau hier lohnt es sich, früh hinzuschauen. Kinder brauchen echte Erfolgserlebnisse. 

Kein künstliches Lob, sondern Momente wie:

  • „Ah, jetzt habe ich verstanden, wie es geht!“
  • „Gestern konnte ich das noch nicht.“
  • „Es geht ja doch!“

Es hat Angst, Fehler zu machen

Manche Kinder wollen schon in der ersten Klasse alles richtig machen. Sie radieren wieder und wieder. Sie schauen zuerst beim Nachbarkind, bevor sie selbst anfangen. Oder sie beginnen eine Aufgabe lieber gar nicht, als etwas falsch zu machen.

Hier lohnt sich ein bewusster Blick darauf, welche Botschaft Fehler bei uns zu Hause bekommen. Statt „Pass doch besser auf!“ lieber:

„Spannend, da hat etwas noch nicht funktioniert. Schauen wir mal, was dir helfen könnte.“

Ein Fehler ist eine Information. Er zeigt: Hier ist etwas noch nicht sicher. Er bedeutet nicht: Mit dir stimmt etwas nicht.

Übrigens hilft auch Lob nicht automatisch. In einer bekannten Studie von Claudia Mueller und Carol Dweck wurden einige Kinder für ihre Intelligenz gelobt, andere für ihre Anstrengung. Nach einem Misserfolg gaben die für Intelligenz gelobten Kinder schneller auf. Sie hatten weniger Freude an den Aufgaben und schnitten schlechter ab als die Kinder, die für ihre Anstrengung gelobt worden waren.

Hilfreicher als „Du bist so schlau!“ ist deshalb: „Du bist drangeblieben, und jetzt klappt es.“

Es mag die Lehrkraft nicht

Auch das kommt vor. Gerade in der ersten Klasse hängt „Schule“ für ein Kind sehr eng an dem Menschen, der jeden Vormittag vorne steht. Wenn sich ein Kind bei der neuen Lehrkraft noch nicht sicher oder wohlfühlt, kann das seine Wahrnehmung von Schule insgesamt stark mitprägen.

Dahinter können ganz unterschiedliche Dinge stecken:

  • Die Lehrerin spricht lauter oder strenger, als dein Kind es aus dem Kindergarten kennt.
  • Dein Kind hat sich einmal ermahnt oder bloßgestellt gefühlt.
  • Es hat den Eindruck, dass die Lehrkraft andere Kinder lieber mag.
  • Es traut sich nicht, nachzufragen.
  • Die Beziehung ist einfach noch nicht gewachsen.

Die Erzieherin kannte dein Kind vielleicht mehrere Jahre. Die neue Lehrkraft kennt es erst seit wenigen Wochen.

Frag auch hier neugierig nach: „Magst du sie nicht, oder magst du etwas nicht, was sie macht?“

Oft wird es dann plötzlich konkret: „Sie schimpft, wenn man redet.“ „Sie hat gesagt, mein Heft ist unordentlich.“ „Ich traue mich nicht, sie etwas zu fragen.“

Wichtig ist dabei: Schlag dich vor deinem Kind nicht reflexartig auf eine Seite. Sag nicht „Die ist ja wirklich unmöglich!“, aber auch nicht „Die Lehrerin hat bestimmt recht.“ Ein guter Satz könnte sein:

„Ich verstehe, dass du dich da nicht wohlgefühlt hast. Lass uns schauen, was helfen könnte.“

Manchmal verändert schon ein kurzer positiver Kontakt viel. Wenn die Lehrkraft weiß, dass ein Kind gerade unsicher ist, kann sie es bewusst einmal ansprechen oder ihm eine freundliche Rückmeldung geben.

Beziehung braucht Zeit, auf beiden Seiten.

Es gibt Schwierigkeiten mit anderen Kindern

Auch soziale Situationen sollten wir nicht vorschnell ausschließen. 

Du könntest zum Beispiel fragen:

  • „Mit wem spielst du in der Pause?“ 
  • „Neben wem sitzt du gerne?“
  • „Hat jemand etwas Blödes zu dir gesagt?“
  • „Gibt es etwas, woran du morgens schon denkst und das dir Bauchweh macht?“

Vielleicht wird dein Kind geärgert oder fühlt sich ausgeschlossen. Vielleicht weiß es noch nicht, wie es in einer Gruppe Anschluss findet. Oder es beschäftigt sich noch mit einer Situation, die wir Erwachsenen längst vergessen hätten.

Die wichtigste Frage: „Was müsste anders sein?“

Diese Frage würde ich auf jeden Fall stellen:


„Was müsste anders sein, damit Schule für dich ein kleines bisschen besser wäre?“

Nicht: „Was müsste passieren, damit du Schule liebst?“ Das wäre viel zu groß. Sondern: Was würde es ein kleines bisschen leichter machen?

 

Kinder haben darauf manchmal erstaunlich konkrete Antworten:

  • „Wenn ich neben Paul sitzen dürfte.“
  • „Wenn ich nicht laut vorlesen müsste.“
  • „Wenn mir jemand noch einmal erklärt, was ich machen soll.“
  • „Wenn die Pause nicht so laut wäre.“
  • „Wenn ich beim Rechnen die Steine benutzen dürfte.“
  • „Wenn Mama mich morgens noch ein Stück begleitet.“


Plötzlich habt ihr etwas Konkretes, und damit kann man arbeiten. 

Vielleicht braucht dein Kind mehr Ruhe am Nachmittag, weniger Termine, mehr Schlaf oder mehr Bewegung. Vielleicht helfen eine klare Morgenroutine, Unterstützung bei der Organisation, kleinere Übungseinheiten oder eine andere Erklärung. Vielleicht braucht es auch einfach wieder ein paar echte Erfolgserlebnisse.

Kleine Veränderungen können erstaunlich viel bewirken.

 

Gemeinsam mit der Lehrkraft, nicht gegeneinander

Wenn dein Kind immer wieder sagt, dass ihm Schule schwerfällt, such das Gespräch mit der Lehrkraft. Aber nicht mit dem Satz „Mein Kind hasst Ihre Schule“, sondern vielleicht so:

„Uns fällt auf, dass er gerade sehr ungern in die Schule geht. Ich möchte gern verstehen, was dahinterstecken könnte. Wie erleben Sie ihn?“

Dann könntest du fragen:

  • Wie wirkt er im Unterricht?
  • Traut er sich, Fragen zu stellen?
  • Wie kommt er mit den Aufgaben zurecht?
  • Wie geht es ihm mit den anderen Kindern und in den Pausen?
  • Was könnten wir gemeinsam tun, damit es für ihn leichter wird?

Dieses gemeinsam finde ich entscheidend. Nicht Eltern gegen Schule, nicht Schule gegen Eltern, sondern: Wir schauen gemeinsam auf dieses eine Kind.

Tipp für Familien in Bayern:

Beratungslehrkräfte und Schulpsychologinnen oder Schulpsychologen beraten Eltern. Sie tun das neutral, vertraulich und kostenlos, zum Beispiel bei Lern- und Leistungsschwierigkeiten, Verhaltensproblemen, Mobbing oder Konflikten. Die Kontaktdaten findest du meist auf der Homepage eurer Schule.

Erfolgserlebnisse statt mehr Druck

Wenn ein Kind schon nach kurzer Zeit denkt „Ich kann Schule nicht“, ist mehr üben nicht automatisch die Lösung. Mehr vom Gleichen führt oft nur zu mehr Frust.

Die bessere Frage lautet: Wo kann mein Kind erleben, dass es etwas kann?

Aus solchen Erfahrungen wächst Selbstwirksamkeit, also das Vertrauen: „Ich kann selbst etwas bewirken.“

Und das muss nicht beim Lesen, Schreiben oder Rechnen beginnen. Vielleicht baut dein Kind großartig oder kennt sich unglaublich gut mit Tieren aus. Vielleicht erzählt es tolle Geschichten, merkt sich jeden Weg, ist hilfsbereit oder bringt andere zum Lachen.

Ein Kind ist immer so viel mehr als seine schulischen Leistungen.

Gerade wenn Schule schwierig wird, braucht es Erwachsene, die diesen Blick für es festhalten.

Was denke ich eigentlich selbst über Schule?

Kinder hören nicht nur, was wir sagen. Sie spüren auch, wie wir reagieren.

Du musst gar nicht sagen: „Ich habe Schule gehasst.“ Oft passiert etwas viel Kleineres. Du seufzt, wenn das Hausaufgabenheft auf den Tisch kommt. Du wirst angespannt, sobald es um Mathe geht. Oder in deinem Kopf läuft sofort: „Oh nein, jetzt geht der Stress wieder los.“

Deshalb lohnt sich ein ehrlicher Blick nach innen:

  • Wie ging es mir selbst in der Schule?
  • Habe ich Hausaufgaben gehasst?
  • Gab es ein Fach, vor dem ich Angst hatte?
  • Wie wurde bei uns früher mit Fehlern umgegangen?
  • Was spüre ich heute, wenn mein Kind den Schulranzen aufmacht?

Zur Mathematik gibt es dazu interessante Forschung. Eine Studie der University of Chicago mit Erst- und Zweitklässlern kam zu diesem Ergebnis: Wenn Eltern selbst Angst vor Mathe hatten und häufig bei den Hausaufgaben halfen, lernten ihre Kinder weniger und wurden selbst ängstlicher. Eine große Folgestudie aus dem Jahr 2026 mit über 3.000 Kindern konnte genau diesen Effekt allerdings nicht bestätigen. Die Zusammenhänge sind also komplexer, als es auf den ersten Blick scheint.

Für mich ist die Botschaft deshalb nicht: „Die Eltern sind schuld.“ Darum geht es überhaupt nicht.

Sondern: Unsere eigenen Erfahrungen können eine Rolle spielen. Deshalb lohnt es sich, sie wahrzunehmen.

Deine Erfahrungen gehören zu dir, und vielleicht waren sie wirklich nicht schön. Aber du kannst dich entscheiden, sie nicht ungeprüft zur Geschichte deines Kindes werden zu lassen.

Manchmal beginnt eine Veränderung beim Kind mit einer Frage, die wir uns zuerst selbst stellen. 

Wann solltest du genauer hinschauen?

Ein einzelner Satz wie „Ich hasse Schule“ ist noch kein Grund zur Panik. Genauer hinschauen würde ich aber, wenn dein Kind:

  • über Wochen fast jeden Morgen nicht in die Schule möchte,
  • häufig vor der Schule Bauch- oder Kopfschmerzen hat,
  • deutlich schlechter schläft, viel weint oder sich stark zurückzieht,
  • plötzlich ungewöhnlich aggressiv reagiert,
  • große Angst vor Fehlern entwickelt oder bei Hausaufgaben regelmäßig verzweifelt,
  • sagt: „Ich bin dumm“, „Ich kann gar nichts“ oder „Alle anderen können das besser“,
  • von Hänseleien oder Ausgrenzung erzählt,
  • oder wenn Lesen, Schreiben oder Rechnen auffallend schwerfallen

Wichtig bei körperlichen Beschwerden

Bauchschmerzen sind bei Kindern sehr häufig. Nach Daten der bundesweiten KiGGS-Studie des Robert Koch-Instituts haben gut 22 % der 7- bis 10-Jährigen innerhalb von drei Monaten immer wieder Bauchschmerzen. Die Ursache kann seelisch sein, etwa vor einer Klassenarbeit oder bei anderen Sorgen. Es kann aber auch eine ernsthafte Erkrankung dahinterstecken.

Deshalb gilt: Wiederkehrende oder starke Beschwerden bitte immer zuerst kinderärztlich abklären lassen. Das gilt besonders bei Fieber, Erbrechen, Durchfall oder schlechtem Allgemeinzustand.

Ist körperlich alles abgeklärt und treten die Beschwerden auffällig oft vor der Schule auf, lohnt sich die Frage: Was belastet mein Kind gerade?

Dann geht es nicht darum, dein Kind stärker zu motivieren. Motivation lässt sich nicht verordnen. Dann geht es darum herauszufinden: Warum fällt es meinem Kind gerade so schwer, und was braucht genau dieses Kind?

Schule darf anstrengend sein – aber dein Kind sollte sich nicht falsch fühlen

Schule muss nicht jeden Tag Spaß machen. Kinder dürfen sagen: „Heute war Mathe doof.“ Sie dürfen müde sein, keine Lust haben, sich ärgern und einen schlechten Tag haben.

Aufmerksam sollten wir werden, wenn aus „Diese Aufgabe kann ich noch nicht“ langsam „Ich kann das nicht“ wird. Und irgendwann: „Ich bin dumm.“

Denn kein Kind sollte lernen: „Lernen zeigt mir jeden Tag, was mit mir nicht stimmt.“

Viel hilfreicher ist: „Ich darf etwas noch nicht können. Und wir finden heraus, was mir hilft.“

Fazit: Bekämpfe nicht den Satz – finde heraus, was dahintersteckt

Wenn dein Erstklässler sagt „Ich hasse Schule“, musst du nicht sofort die Lösung kennen. Und du musst dein Kind auch nicht davon überzeugen, dass Schule wunderbar ist.

Der erste Schritt ist viel einfacher:

Zuhören. Ernst nehmen. Neugierig werden.

Verstehen statt Bewerten.

Denn eines kann ich dir aus vielen Jahren Arbeit mit Familien sagen: Dein Kind ist so viel mehr als das, was in der Schule gerade funktioniert oder nicht funktioniert.

„Ich hasse Schule“ ist oft nicht das eigentliche Problem. Es ist eine Botschaft, vielleicht sogar eine ziemlich wichtige.

Deshalb lautet die entscheidende Frage nicht: „Wie bringe ich mein Kind dazu, Schule wieder zu mögen?“

Sondern:
„Was braucht mein Kind gerade, damit Schule und Lernen wieder ein Stück leichter werden können?“

Du möchtest herausfinden, was hinter dem Schulfrust deines Kindes steckt?

Porträt Christine Grimm
Ich freue mich auf euch!

Herzliche Grüße
Christine Grimm

In einem Erstgespräch schauen wir gemeinsam und ohne Bewertung auf dein Kind: Was fällt ihm schwer? Was kann es schon? Was könnte hinter den Schwierigkeiten stecken? Und was könnte ihm jetzt wirklich helfen?

P.S. Du musst nicht warten, bis aus einem schlechten Start ein festes „Ich kann das nicht“ geworden ist. Manchmal reicht ein frischer Blick von außen, um das eigentliche Thema zu entdecken.

FAQs – Häufige Fragen: Wenn ein Kind nicht mehr in die Schule möchte

Das kann gerade in den ersten Wochen auch vorkommen. Schule bringt sehr viele Veränderungen auf einmal: neue Menschen, Regeln, Anforderungen und Tagesabläufe. Entscheidend ist nicht ein einzelner schlechter Tag, sondern die Entwicklung. Wird es nach und nach leichter, oder nimmt die Ablehnung über Wochen zu?

Versuche nicht sofort, dein Kind vom Gegenteil zu überzeugen. Sag zum Beispiel: „Das klingt, als wäre Schule gerade richtig blöd für dich.“ Frag dann behutsam nach, was genau dahintersteckt. Das Ziel ist zuerst, dein Kind zu verstehen, nicht seine Meinung möglichst schnell zu ändern.

Dafür gibt es viele mögliche Gründe. Dazu gehören Überforderung durch den neuen Alltag, zu viele Reize, Unterforderung, Angst vor Fehlern und erste Vergleiche mit anderen. Auch Schwierigkeiten mit der Lehrkraft, eine unangenehme Situation oder Probleme mit anderen Kindern können dahinterstecken. Oft wirken mehrere Faktoren zusammen.

Finde zuerst heraus, was dein Kind mit „Lernen“ meint. Oft hasst es nicht das Lernen selbst, sondern Arbeitsblätter, das Schreiben, Zeitdruck, Fehler oder das Gefühl, nicht mitzukommen. Erst wenn klar ist, was genau schwerfällt, könnt ihr gemeinsam eine passende Lösung finden.

Frag konkret nach, was dein Kind an ihr stört. Oft steckt eine bestimmte Situation dahinter, ein ungewohnter Ton oder das Gefühl, nicht gesehen zu werden. Stell dich weder gegen die Lehrkraft noch gegen dein Kind. Nimm das Gefühl ernst und such wenn nötig das Gespräch. Eine neue Beziehung braucht Zeit.

Ja, wenn die Ablehnung wiederkehrt oder dein Kind konkrete Schwierigkeiten nennt. Frag die Lehrkraft, wie sie dein Kind im Unterricht und in den Pausen erlebt, und überlegt gemeinsam, was helfen könnte. In Bayern kannst du dich zusätzlich kostenlos und vertraulich an die Beratungslehrkraft oder die Schulpsychologin wenden.

Kinder nehmen nicht nur Worte wahr, sondern auch, wie angespannt oder gelassen Erwachsene auf Schule, Hausaufgaben oder einzelne Fächer reagieren. Das ist keine Schuldfrage. Hilfreich ist aber die ehrliche Frage an sich selbst: Wie ging es mir damals in der Schule, und was davon bringe ich heute vielleicht mit?

Wenn die Ablehnung über Wochen anhält oder Warnzeichen dazukommen. Dazu gehören häufiges Bauch- oder Kopfweh, Schlafprobleme, starke Ängste, Rückzug, große Verzweiflung bei Hausaufgaben oder Sätze wie „Ich bin dumm“. Körperliche Beschwerden sollten zuerst kinderärztlich abgeklärt werden.

Vor allem die Erfahrung, etwas schaffen zu können. Dabei helfen echte Erfolgserlebnisse, Aufgaben auf passendem Niveau, verständliche Strategien und Erwachsene, die nicht nur auf Fehler schauen. Ein Kind sollte erleben: „Ich kann etwas noch nicht, aber ich kann herausfinden, wie es geht.“

Über die Autorin

Christine Grimm ist Lernexpertin und Lerntrainerin für kindliche Lernentwicklung, zertifizierte Benaudira®-Hörtrainerin und Emotionscoach. Mit Lernen einfach erleben begleitet sie Familien mit Kindern der 1. bis 6. Klasse bei Schwierigkeiten im Lesen, Schreiben und Rechnen, nach dem Grundsatz: Verstehen statt Bewerten.

Quellen
  1. Gottman, J. M., Katz, L. F. & Hooven, C. (1997): Meta-Emotion: How Families Communicate Emotionally. Mahwah, NJ: Lawrence Erlbaum.
  2. Mueller, C. M. & Dweck, C. S. (1998): Praise for intelligence can undermine children’s motivation and performance. Journal of Personality and Social Psychology, 75(1), 33–52.
  3. Maloney, E. A., Ramirez, G., Gunderson, E. A., Levine, S. C. & Beilock, S. L. (2015): Intergenerational Effects of Parents‘ Math Anxiety on Children’s Math Achievement and Anxiety. Psychological Science, 26(9), 1480–1488.
  4. Poisall, M. B., Cook, O. K., Hart, S. A. et al. (2026): Relations Between Parents‘ Math Anxiety and Children’s Math Learning: The Role of Homework Help. Developmental Science, 29(5), e70261.
  5. Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte: Bauchschmerzen bei Kindern (mit Daten der KiGGS-Studie des Robert Koch-Instituts). kinderaerzte-im-netz.de

Weiterführend: Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus, Staatliche Schulberatung in Bayern – schulberatung.bayern.de

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